„Auf
den Spuren des Eremiten“
MSC Wallerberg am 27.09.2008
Bericht
von Michael Zeuner
Der MSC Wallerberg lud
nun schon zum 30. Mal zu seiner Orientierungsfahrt östlich von Nürnberg
ein. Die Fahrt war die letzte und entscheidende Veranstaltung innerhalb
der in diesem Jahr überaus spannenden „Deutschen Amateur
Automobilmeisterschaft“ des NAVC.
Gestartet wurde
wiederum beim Landgasthof Sörgel in Lieritzhofen. Dabei handelt es sich
um einen typischen Gasthof mit Restaurant, Hotelzimmern und eigener
Metzgerei, gelegen in einer landschaftlich sehr reizvollen Gegend mit
allen Schönheiten der Fränkischen Alb. Da wir bereits am Freitag
angereist sind, konnten wir uns von der schönen Landschaft bei einem
Vormittagsspaziergang und herrlichem Wetter ein Bild machen.
Die Fahrtaufgaben, die
wir eine Viertelstunde vor unserer Startzeit erhielten, beinhalteten 2
Blätter mit Chinesenzeichen und Kartenabdrücken, in denen Fahrtaufträge
in rot eingezeichnet waren. Darüber hinaus erhielten wir drei Folien.
Wir mussten insgesamt fünf Aufgaben anhand der Folien mit der Farbkopie
der Übersichtskarte in Übereinstimmung bringen. Das waren wir zwar
nicht mehr gewohnt, stellte aber keine Schwierigkeit dar.
Insgesamt ließ sich
ein Großteil der Aufgaben relativ leicht lösen. Bei den Folien konnte
man schon mal kleine Häkchen oder Parallelwege falsch auflegen, oder
man übersah, dass Pfeile nur einmal zu befahren waren. Bei nach
Veranstalterangaben 140 km Streckenlänge in 4 Stunden war auch nicht
viel Zeit für langes Suchen angesagt.
Im Ziellokal (oder auch
davor am Zielwagen) begannen dann aber doch wieder große Diskussionen.
In Aufgabe 2 ließ sich ein Pfeil über einen nur sehr schwer mit einer
Lupe zu erkennenden Weg anfahren. Der Weg war da, auch wenn er noch zusätzlich
durch eine Gitternetzlinie versteckt war. Wer ihn nicht sah, baute sich
riesige Umwege auf, vielleicht sogar bis zur Unlösbarkeit der Aufgabe.
In Aufgabe 4 gab es
eine Sackgasse, die laut Karte aber durchgehend war. Ist dies nun ein
unvorhergesehenes Hindernis, das gemäß Durchführungsbestimmung ohne
Flurschaden zu umfahren war, oder eine Streckensperrung? Ist nicht ein
unvorhergesehenes Hindernis eher ein vom Bauern in den Weg gestellter
Traktor oder ein umgestürzter Baum? Egal. Die Kontrolle in der
Umfahrung sollte im Laufe des Abends wohl, soweit ich es mitbekommen
habe, mal zwingend gestempelt werden und mal negativ gewertet werden. Am
Ende galt, so glaube ich, beides.
Die letzte Aufgabe war
eine DIN-A4 Folie mit sehr vielen Strichen über zwei Kartenkopien
verteilt. Um zum vermeidlich fünften Strich auf kürzestem Wege zu
gelangen, konnte man um ein paar Ecken und über einen in einem
Ortsnamen versteckten Weg fahren. Wenn man dann aber weiter die Aufgabe
löste, ergaben sich große Probleme. Es waren große Bögen zu fahren,
fast am Ziel vorbei, und dann? Oben rum, weite Wege und viele Pfeile der
Voraufgaben beachten? Unten? Aber da befuhr man einen Strich teilweise
und wäre nachher gar nicht mehr raus gekommen (gegenläufig, bzw. einen
Pfeil nochmals fahren). Einen anderen Strich als fünften zu fahren
ergab eine flüssige Lösung der Restaufgabe und man hielt den Rahmen
der 50 km für den zweiten Abschnitt ein. Das versuchten wir erst
einmal, fanden noch eine Kontrolle, und entschieden uns nach längerer
Diskussion für diese Lösung. Es war eindeutig, dass der Veranstalter
so fahren wollte. Und wir meinten, mit dieser Lösung auf der sicheren
Seite zu sein. Selbst wenn andere Teilnehmer stur andere Wege versuchten
und mit eventuellen Protesten berechtigterweise durchkamen, konnten wir
doch für die Veranstalterlösung nicht bestraft werden. Aber auch das
wurde zwischenzeitlich anders gesehen.
Weiterer
Diskussionspunkt war die Zeitwertung. Die Teams, die versuchten, eine
richtige Strecke zu finden, haben natürlich viel Zeit investiert. Es
ist daher einzusehen, dass sie nicht zusätzlich durch die Zeit bestraft
werden. Trotzdem halte ich es für fragwürdig, ob man grundsätzlich
die Zeitwertung streichen kann. Was ist, wenn einer eine nur um wenige
hundert Meter längere aber richtigere Strecke als die Idealstrecke fährt?
Kann man dann auch die Zeit ganz streichen? Wo soll man da die Grenze
ziehen?
So gab es wohl viele
Diskussionen, die ich nur am Rande mitbekommen habe und hier vielleicht
auch unvollständig wiedergebe. Mein Bericht über die Veranstaltung
wirkt wohl jetzt auch viel negativer, als ich es gewollt habe. Das ist
schade. Leider gibt es auch bei wenigen Teilnehmern immer wieder so
langen Gesprächsstoff. Ob das immer nötig ist, ist die Frage.
Eigentlich hatten wir eine schöne, flüssige, wenn auch etwas zu
leichte Fahrt. Und wir sollten jedem Veranstalter dankbar sein, der
diese ganze Arbeit auf sich
nimmt. An den MSC Wallerberg geht der Dank für diese Ori und die Bitte,
weiterzumachen.
Wir konnten dann
irgendwann feststellen, dass wir gleich die erste Kontrolle ausgelassen
haben. Der Start lag südlicher als der Beginn des ersten Striches.
Letztes Jahr konnte ich mehrfach davon berichten, dass wir die letzte
Kontrolle nicht hatten. Jetzt also die erste. Das ist kein gewollter
Systemwechsel.
Mit den 10 Strafpunkten
waren wir punktgleich mit Hillebrand/Breiter. Aufgrund der längeren
Strafpunktfreiheit (ich verstehe seit 20 Jahren nicht, was daran
Wertungskriterium bei Punktgleichheit sein kann) landeten wir auf Platz
2. Glückwunsch an die Sieger! Die weiteren Platzierungen: 3. Wündsch/Lobenhofer,
4. Willms/Beckers 5. Brenneke/Kietzmann.
Vor dieser Fahrt gab es
eine sehr spannende Ausgangssituation in der Meisterschaft des NAVC. Berücksichtigte
man das jeweilige Streichergebnis, so lagen Willms/Beckers in Führung
vor Jürgen Brenneke und Treuke/Zeuner auf Platz drei. Dabei waren die
Abstände sehr gering. Bei nicht zu hohen Starterzahlen wär die
Reihenfolge dieser drei in der letzten Fahrt dann auch die
Reihenfolge in der Meisterschaft. Ein so knappes Ergebnis wünscht
sich auch ein Herr Ecclestone gerne. Aufgrund der obigen Platzierungen
haben wir die Meisterschaft dann doch noch gewonnen. Mein Dank und Glückwunsch
geht an alle Beteiligten für die spannende Saison.
Als
nächstes steht nun die Haserundfahrt des AC Bramsche auf dem Programm.
Und dort wird Jörg plötzlich ein Konkurrent. Um Gerüchte nicht
aufkommen zu lassen: Es gibt keine Differenzen. Matthias Bleeke hat mir
dieses Jahr einige Male bei NordOM-Fahrten ausgeholfen, sonst hätte ich
da gar nicht komplett fahren können. Und nun kommen wir seinem Wunsch
nach, noch selbst ein paar Punkte zu sammeln. Jörg ist einverstanden
und hat leicht seine Frau überzeugt, mit ihm in Bramsche zu fahren. Ich
freu mich auf die Fahrt.
|