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Sportfahrt
des MSC Lüchow am 10.05.2008
Orientierungsfahrt oder "ja-was-denn-eigentlich"?
(Nicht-)
Teilnehmerbericht von Wilhelm Mester
Der NFM hatte die
"Orientierungsfahrt" des MSC Lüchow zum Lauf für die
Niedersächsische Meisterschaft im Orientierungssport erklärt. Weil
das für Hartmut und mich neben der NordOM die zweitwichtigste
Meisterschaftsserie ist (wegen der engen Verbindung zum
Landessportbund und der damit verbundenen möglichen weitergehenden
Anerkennung "unseres" Sports) entschlossen wir uns zu einer
Teilnahme. Dieser Beschluß bedeutete Abfahrt aus Cuxhaven um 8.00 Uhr
mit beladenem Trailer, 250 Kilometer Anfahrt fast ausschließlich über Bundes-
und Landstraßen, das selbe für den Rückweg und am Ende eine Riesen-Enttäuschung.
Schon das Vorfeld der Veranstaltung
war mit Schwierigkeiten gespickt. Es gelang uns einfach nicht, eine
Ausschreibung oder gar nähere Informationen zu bekommen. Wir hatten
das Gefühl, dass der Verein sich einfach tot stellte. Auch ein Blick
auf dessen Homepage war nicht besonders informativ. Die Aktualität
dort endete im vergangenen Jahr und ein Hinweis auf die diesjährige
Ori fehlte völlig.
Am Montag vor der Veranstaltung
gelang es uns dann endlich mit Hilfe von Dieter Hollmann, eine
Ausschreibung zu erhalten und wir machten uns frohen Mutes auf den
langen Weg in's schöne Wendland. Dort angekommen trafen wir dann auch
gleich auf ein weiteres Team aus der uns bekannten "Orie-Gemeinde".
Andreas Belitz und Melanie Rhode vom CMV Wunstorf hatten auch
den Weg nach Lüchow gefunden.
Wir gingen also zur Fahrtleitung,
gaben unsere Nennung ab und .... fragten, ob wir bei der richtigen
Veranstaltung gelandet sind.
Dazu folgendes als Vorbemerkung : In der
Meisterschaftsausschreibung des NFM heißt es bei den Bestimmungen über
Orientierungsfahrten: "Sämtliche Prädikatsläufe
unterliegen der aktuellen ADAC-Grundausschreibung für
sporttouristische Orientierungsfahrten, die vom ADAC
Niedersachsen/Sachsen-Anhalt und ADAC Weser-Ems herausgegeben
werden".
Die uns ausgehändigten
Fahrtunterlagen waren davon meilenweit entfernt. Als
Orientierungsaufgaben waren lediglich einige Skizzen enthalten, deren
Lösung man mit bloßem Auge erkennen konnte und die keinerlei
Orientierungsschwierigkeiten enthielten.
Diese Skizzen (die übrigens nicht
einmal der Grundausschreibung entsprachen weil sie keine Anlegehilfen
enthielten) dienten lediglich dazu, die Teilnehmer jeweils vom
zentralen Marktplatz zu den Kontrollposten für "Sonderaufgaben"
zu führen.
Diese Aufgaben waren der eigentliche
Sinn der "Sportfahrt". Da galt es dann, Fragen aus der
Fahrschule zu beantworten, das Alter von Gebäuden herauszubekommen
oder Scherzfragen zu lösen.
Das ist von vielen Teilnehmern
gewollt, sie nehmen genau wegen dieser Aufgaben teil und ich
kritisiere und belächle es nicht. Es hat aber beim Orientierungssport
wie wir und sicher auch die Leser dieses Berichts ihn meinen
nichts zu suchen.
Als ich den Fahrtleiter fragte, wie
denn die Einhaltung der Regeln "kein Kreuzen und keine Gegenläufigkeit"
zu beachten sei, hatte ich den Eindruck, dass er gar nicht wußte, was
ich damit meine. Er fragte einen Mitstreiter, ob so etwas vorgesehen
sei.
Zwei weitere aufgeschnappte Zitate:
"Die Grundausschreibung
interessiert hier nicht - wir sind im Gaus Hansa"
"Der Fahrtleiter ist zum
Lehrgang bei Dieter Hollmann gewesen. Aber wenn wir die Aufgaben so
machen wie er, kommt doch kein Teilnehmer wieder"
Hartmut und ich kamen dann für uns
zu dem Ergebnis, dass es sich hier nicht um eine Orientierungsfahrt im
Sinne der NFM-Ausschreibung handelt. Wegen einer solchen waren wir jedoch angereist und wir entschlossen uns, nicht teilzunehmen.
Dabei lege ich großen Wert darauf,
folgendes festzustellen : Veranstaltungen dieser Art sind sicher
toll für einen Club oder sogar eine Region, haben ihre absolute
Daseinsberechtigung und sollen auch stattfinden. Mehr noch :
Wenn sie dann nicht 250 km von zu Hause entfernt stattfinden und nur
mit einem ziemlich hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand zu
bestreiten wären, nehmen wir sogar ganz gerne einmal daran
teil. Nur: Es kann sich dabei nicht um einen Meisterschaftslauf
handeln.
Dieter Hollmann ist sowohl als zuständiger
Wettbewerbsreferent als auch als Teilnehmer selber vor Ort gewesen.
Hartmut und ich haben ihn auf die Frage der Wertung zur Meisterschaft
angesprochen. Inzwischen habe ich ihm gegenüber auf seine Bitte hin
ausführlich dazu Stellung genommen. Im Fazit lautet meine Einschätzung
:
Es handelte sich um keine
Orientierungsfahrt im Sinne der NFM-Ausschreibung und sie kann daher
nicht für die Meisterschaft gewertet werden. Wenn es doch
geschieht, sehe ich die Gefahr, dass irgendwann jede "Sonntagsnachmittagkaffetrinkersausflugsfahrt"
mit Meisterschaftsprädikaten versehen wird.
Ich hoffe, dass der
Meisterschaftsausschuss des NFM im Sinne unseres Sports, nämlich
des Orientierungssports zu entscheidet.
Wilhelm Mester
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